Gemalter Mut
Veröffentlichungsdatum: 23. November 2025
Veröffentlichungsdatum: 23. November 2025
Dieser Song entstand als eine Art Schwester- oder Spiegelstück zu „Gemaltes Lächeln“. Während dort die Geschichte einer Frau erzählt wird, richtet sich der Blick hier auf die andere Seite – auf Männer, die ebenfalls gelernt haben, ihre Gefühle zu verbergen.
Ausgelöst wurde die Idee durch Dokumentationen über toxische Männlichkeit und die Erwartungen, die schon früh an Jungen gestellt werden: stark sein, nicht weinen, funktionieren.
Je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde mir, wie viele Menschen – unabhängig vom Geschlecht – in Rollen gefangen sind, die ihnen nie wirklich gerecht wurden.
„Gemalter Mut“ ist mein Versuch, genau diesen inneren Druck sichtbar zu machen.
Ein Lied über das Schweigen, das gelernt wird – und über den Moment, in dem es endlich gebrochen wird.
Er hört sie reden,
seit er denken kann:
„Ein echter Junge
weint doch nicht, mein Sohn.“
Er nickt nur still,
doch tief in seinem Innern
verblassen Träume,
verwehen tonlos fort davon.
Er übt vor Spiegeln
ein Lächeln, das hält.
Wie Farbe auf Rissen,
zu dünn für die Welt.
Und wieder malt er
sein Lächeln aufs Gesicht,
damit keiner sieht,
wie nah er an der Kante steht.
Sie wollen, dass er stark ist –
doch fragen nie,
wie schwer ein Herz wird,
wenn es schweigen muss für sie.
Sie sagen ihm:
„Zeig ihr, wer der Herr im Haus ist,
’ne Frau muss spüren,
wer hier das Sagen hat.“
Doch jedes Wort
schneidet tiefer als die Fäuste,
denn Liebe ist für ihn
kein Spiel aus Wunden, Macht und Tat.
Er denkt bei sich:
„Wie soll ich Nähe schenken,
wenn ihr mir sagt,
ich muss ein Schatten meiner selbst sein?“
Er will nur Frieden –
kein Spiel aus Macht und Rollen,
doch alle um ihn
pressen ihn in ein altes Sein.
Er setzt das Lächeln
für alle zurecht.
Ein Strich ohne Hoffnung,
ein Strich, der ihn verletzt.
Und wieder malt er
sein Lächeln aufs Gesicht,
damit keiner sieht,
wie nah er an der Kante steht.
Er wünscht sich eine Welt,
die Männer atmen lässt –
wo Mut bedeutet,
dass man fühlen darf, was echt.
Er flüstert:
„Ich bin kein Felsen.
Ich bin ein Mensch.“
Und plötzlich bricht das Schweigen
wie ein Sturm im Brustkorb auf.
Und diesmal malt er
kein Lächeln mehr für sie.
Er zeigt, was lebt,
was kämpft, was brennt in ihm.
Und jeder Schritt,
den er als er selbst geht,
ist stärker
als jede Rolle, die vergeht.
Dieses Lied existiert auch in anderen Sprachen:
🇵🇱 Malowana odwage
🇬🇧 Painted Courage