Gaias Klagelied
Veröffentlichungsdatum: 13. August 2025
Veröffentlichungsdatum: 13. August 2025
„Gaias Klagelied“ entstand aus einem älteren Lied von mir – dem „Requiem der Erde“.
Als ich den damaligen Text nach längerer Zeit wieder las, mochte ich seine Grundidee noch immer: Die Erde selbst spricht zum Menschen. Nicht als hilfloses Opfer, sondern als etwas, das schon unvorstellbar lange vor uns existierte und auch nach uns weiterbestehen wird.
Doch gleichzeitig merkte ich, wie sehr sich mein eigenes Schreiben inzwischen verändert hatte. Manche Zeilen fühlten sich nicht mehr richtig an. Einige waren zu kompliziert, andere waren damals vor allem entstanden, weil ein Reim oder eine Melodie gefüllt werden musste. Die Gedanken dahinter waren noch dieselben – aber ich wollte sie heute klarer, einfacher und ehrlicher ausdrücken.
Also begann ich, einzelne Stellen zu überarbeiten.
Aus einzelnen Stellen wurden ganze Strophen. Aus der Überarbeitung wurde schließlich ein neues Lied.
Besonders wichtig wurde dabei das Bild des Menschen als Kind der Erde. Ein Kind, das sich irgendwann für ihren Besitzer hielt, ihre Wälder unter Straßen und Beton begrub und dabei vergaß, dass seine eigene Existenz von ihr abhängt.
Und trotzdem ist Gaia in diesem Lied nicht wütend.
Sie weiß, dass ihre Zeit eine andere ist als unsere. Städte können verschwinden. Beton kann brechen. Wurzeln werden wieder Wege finden und Wälder erneut zum Himmel wachsen.
So wurde aus dem alten „Requiem der Erde“ schließlich „Gaias Klagelied“ – kein Lied über das Ende der Erde, sondern über die Vergänglichkeit des Menschen und eine Welt, die auch ohne ihn weiterleben wird.
Wenn Stille die Täler umweht,
und Wind aus der Asche sich hebt,
wenn niemand mehr die Wunden zählt,
und dein Reich lautlos vergeht.
Du, Kind von Stahl und Flammen,
hast Tod in die Erde gesät,
deine Taten mit vielen Namen,
zerstörten alles, was dich genährt.
Schlaf ein, Menschenkind, schlaf,
aus Asche neue Welt entsteht.
Lass die Erde dich leis bedecken,
wenn der Wind durch Trümmer weht.
Ich bin die Erde, dein Sein,
das Echo im Stein so alt,
ich bin der Atem, der Traum,
das Leben in Regen und Wald.
Du kannst mich nicht zerstören,
in meiner Tiefe ruht die Zeit,
wenn deine Städte vergehen,
erblüht aus der Zeit die Ewigkeit.
Ich bin der Sturm, der über dir weint,
der Regen, der Zorn verweht,
in meinem Lied, das ewig keimt,
des Menschen letztes Gebet
Schlaf ein, Menschenkind, schlaf,
aus Asche neue Welt entsteht.
Lass die Erde dich leis bedecken,
wenn der Wind durch Trümmer weht.
Du, Kind vom Hochmut verblendet,
du nanntest die Erde dein Eigen,
wenn einst dein Werk sich vollendet,
bleibt nur noch dein Schweigen.
Du, Kind des Betons, der Straßen,
hast das Grün unter Stein begraben,
doch Wurzeln werden Wege finden,
und Wälder werden zum Himmel ragen.
Schlaf ein, Menschenkind, schlaf,
aus Asche neue Welt entsteht.
Lass die Erde dich leis bedecken,
wenn der Wind durch Trümmer weht.