Die Nacht ist kalt. Der Morgen schweigt.
Im Gang verhallt ein fremder Schritt.
Ich weiß, wohin man mich heut führt.
Ich geh – und meine Furcht geht mit.
Noch einmal seh ich in das Grau,
das durch die schmalen Scheiben fällt.
Noch einmal denk ich still zurück
an alles, was mir war die Welt.
Ich stehe noch. Ich beuge mich nicht,
mag diese Stunde meine letzte sein.
Nehmt mir den Morgen, nehmt mir das Licht –
mein Haupt, das zwingt ihr niemals klein.
Und wenn mir nichts als dieser Atem bleibt,
wenn schon der letzte Weg begonnen:
Ihr habt mir alles nehmen können.
Doch mich habt ihr noch nicht gewonnen.
Man nahm den Schlüssel aus der Hand,
den Namen von der eignen Tür.
Man nahm mir Freiheit, Tag um Tag –
doch eines blieb. Es blieb bei mir.
Was ich geliebt, was ich geglaubt,
trag ich noch immer in der Brust.
Und wär mein Leben heut verwirkt,
so geh ich wissend um den Verlust.
Ich stehe noch. Ich beuge mich nicht,
mag diese Stunde meine letzte sein.
Nehmt mir den Morgen, nehmt mir das Licht –
mein Haupt, das zwingt ihr niemals klein.
Und wenn mir nichts als dieser Atem bleibt,
wenn schon der letzte Weg begonnen:
Ihr habt mir alles nehmen können.
Doch mich habt ihr noch nicht gewonnen.
Der Hof liegt bleich im Morgenlicht.
Die Mauer wartet, stumm und grau.
Kein Vogelruf. Kein Laut im Wind.
Nur Schritte. Fest und ganz genau.
Man stellt mich hin. Ich bleibe stehn.
Vor mir die Männer, Mann an Mann.
Ein Tuch wird schweigend mir gereicht.
Ich seh es an – und lehne ab.
Spart euch das Tuch. Ich will noch sehn,
was mir von diesem Morgen bleibt.
Den Himmel über diesem Hof,
bevor die Stunde mich vertreibt.
Dann hebt sich Stahl in einer Reih.
Ich sehe, wie man auf mich zielt.
Und seltsam ruhig wird mein Herz,
das eben noch vor Furcht gewühlt.
Ich stehe noch. Ich beuge mich nicht,
mag diese Stunde meine letzte sein.
Nehmt mir den Morgen, nehmt mir das Licht –
mein Haupt, das zwingt ihr niemals klein.
Und wenn mir nichts als dieser Atem bleibt,
wenn schon der letzte Weg begonnen:
Ihr habt mir alles nehmen können.
Doch mich habt ihr noch nicht gewonnen.
"Nein.
Keine Binde.
Ich will euch sehen.
Ich will den Himmel sehen,
solange meine Augen es vermögen.
Hebt eure Gewehre.
Ich weiß, was nun geschieht.
Ich weiß auch, dass ich sterben werde.
Doch wenn ihr gleich auf mich zielt,
so seht auch ihr mich an.
Denn ich werde meinen Blick nicht senken."
Die Läufe heben sich vor mir.
Der Morgen liegt auf meinem Gesicht.
Ich richte still mein Haupt empor.
Keine Bitte.
Kein Zurück.
Ich stehe noch.
Ich stehe noch. Ich beuge mich nicht,
mag diese Stunde meine letzte sein!
Nehmt mir den Morgen! Nehmt mir das Licht!
Mein Haupt, das zwingt ihr niemals klein!
Und wenn mir nichts als dieser Atem bleibt,
wenn meine letzte Stunde kommt:
Ihr habt mir alles nehmen können –
Doch mich habt ihr nicht bezwungen.