Am Wegrand lag die Glocke tief,
mit Erde in der offenen Kehle.
Der alte Küster sagte nur:
„Lass ruhn, was dort im Eisen stehe.“
Er sprach von einem fremden Mann,
den keiner je beim Namen nannte.
Man grub ihn unter jener Glocke,
bis selbst ihr Klöppel von ihr schwand.
Wenn sie dreimal ohne Klöppel schlägt,
halt deinen Atem an.
Und ruft dich etwas vor der Tür,
sieh nicht hinaus, wer’s sein kann.
Beim vierten Schlag bleibt alles still.
Dann klopfet es von Hand.
Im Herbst nahm eine Tochter heim
ein Stück vom alten Glockenrande.
Sie wusch den Rost mit Regen ab;
die Schrift trat hell hervor im Sande.
Die Mutter sah das Eisen an
und stieß die Schale von den Knien.
„Verhüll es, Kind. Was dort geschrieben steht,
soll nicht durch eines Menschen Mund entfliehn.“
Wenn sie dreimal ohne Klöppel schlägt,
halt deinen Atem an.
Und ruft dich etwas vor der Tür,
sieh nicht hinaus, wer’s sein kann.
Beim vierten Schlag bleibt alles still.
Dann klopfet es von Hand.
Die Tochter lachte nicht. Sie schwieg.
Doch als der Sturm die Fenster fasste,
las sie die Zeichen, Wort für Wort,
so leis, dass nur die Mutter lauschte.
Ein Schlag kam aus dem leeren Turm.
Beim zweiten löschte sich die Kerze.
Beim dritten sagte draußen wer:
„Mach auf. Mir friert bis tief ins Herze.“
Die Mutter hörte ihrer Tochter Stimme,
die Tochter hörte sie ebenfalls.
Sie standen beide nah am Feuer.
Der Ruf kam wieder, diesmal aus dem Haus.
Wenn sie dreimal ohne Klöppel schlägt,
halt deinen Atem an.
Und ruft dich etwas vor der Tür,
sieh nicht hinaus, wer’s sein kann.
Beim vierten Schlag bleibt alles still.
Dann klopfet es von Hand.
Die Mutter griff nach ihrer Hand.
Sie fühlte Haut, doch keinen Pulsschlag.
Vom Flur her fragte ihre Tochter:
„Warum lässt du mich draußen, Mutter?“
Ein vierter Schlag fiel nicht.
Nur Holz gab unter Fingern nach.
Und eine Stimme, dicht am Ohr,
sprach mit der Stimme der Mutter:
„Mach auf.“